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Julia Koschitz über Veränderungen, Freundschaft und die Bedeutung der Natur
Die Schauspielerin Julia Koschitz spricht im Interview mit morgenpost.de über Veränderungen in ihrem Leben, ihre langjährigen Freundschaften und den Umgang mit dem Älterwerden. Anlass ist die Komödie „Nix ist fix“, die am 10. August um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird und in der eine Freundesgruppe lernen muss, dass nichts feststeht.
Koschitz erklärt, dass man für Veränderungen offen sein sollte oder es zumindest versuchen müsse. Sich dauerhaft gegen Wandel zu wehren, sei ihrer Ansicht nach zwecklos, auch wenn Veränderungen bei vielen Menschen das Sicherheitsgefühl beeinträchtigten.
„Ich finde, man sollte für Veränderungen offen sein oder es zumindest versuchen. Es ist sowieso zwecklos, sich dagegen zu wehren.“
Eine wichtige Entscheidung traf Koschitz nach eigenen Angaben mit 27 Jahren. Sie gab ihr festes Theaterengagement auf und wechselte in die Freischaffendheit, um einen Fuß in die Filmwelt zu bekommen. Die Entscheidung sei schwierig gewesen, weil sie damals nicht davon ausgehen konnte, in dieser Branche zu landen. Gleichzeitig habe sie sich richtig angefühlt.
Auch das Älterwerden beschreibt die Schauspielerin als Herausforderung. Sie sei dankbar, älter werden zu dürfen, doch ihre Lesebrille empfinde sie weiterhin als störend und versuche deshalb, möglichst ohne sie auszukommen.
Infobox: Julia Koschitz verbindet Veränderung mit Unsicherheit, sieht Widerstand dagegen aber als zwecklos an. Eine zentrale berufliche Veränderung war für sie der Wechsel vom festen Theaterengagement in die Freischaffendheit mit 27 Jahren.
Freundschaften als ehrlicher Spiegel
Im Gespräch betont Koschitz, dass Freunde neben Partnern und Familie stets der wichtigste Spiegel in ihrem Leben gewesen seien. Sie suche diesen Spiegel bewusst, weil Freunde ihre Gedanken liebevoll, aber zugleich ehrlich äußerten.
Die Schauspielerin sagt, dass ihr vieles in ihrem Leben nicht gefalle. Entscheidend sei jedoch, sich durch die Rückmeldungen anderer selbst zu hinterfragen: Was wolle sie eigentlich, wer wolle sie sein und ob ihr Handeln mit ihrer eigenen Vorstellung von sich selbst übereinstimme?
„Neben Partnern und Familie waren Freunde für mich immer der wichtigste Spiegel im Leben.“
Wenn Freunde Veränderungen anstoßen wollten, dürfe dies nach Koschitz nicht aus dem Wunsch heraus geschehen, den anderen nach dem eigenen Geschmack oder zum persönlichen Vorteil zu formen. In einer Freundschaft oder Beziehung gehe es vielmehr darum, Fragen zu stellen und gemeinsam zu prüfen, ob jemand seinem eigenen Wertekanon entspreche.
Für eine dauerhaft tragfähige Freundschaft hält sie es für wichtig, den anderen nicht zu beurteilen. Wer gemeinsam älter werden wolle, müsse auch gemeinsam wachsen wollen. Zuwendung und Vertrauen dürften nicht als selbstverständlich betrachtet werden; gegenseitige Wertschätzung könne eine lebenslange Freundschaft stärken.
Infobox: Für Koschitz sind Freunde ein ehrlicher und zugleich liebevoller Spiegel. Dauerhafte Freundschaften beruhen ihrer Aussage nach auf Vertrauen, Wertschätzung, gemeinsamem Wachstum und dem Verzicht auf gegenseitige Beurteilung.
Eine Freundschaft seit der frühen Kindheit
Als ihre längste Freundschaft beschreibt Koschitz eine Verbindung, die durch ihre Eltern ermöglicht wurde. Die beiden Familien waren über die berufliche Freundschaft ihrer Väter miteinander verbunden und bezogen auch die älteren Geschwister ein.
Während die andere Familie in Frankfurt blieb, zog Koschitz’ Familie nach Belgien. Die Familien besuchten sich weiterhin regelmäßig. Nach der Rückkehr, als Koschitz fünf Jahre alt war, sahen sich die beiden Mädchen regelmäßig. Beide tragen zufälligerweise denselben Vornamen.
Aus diesen Begegnungen entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft mit vielen Höhen und Tiefen. Koschitz beschreibt es als kostbar, zu sehen, wie beide ihren eigenen Weg gegangen seien und dennoch ein tiefes Vertrauen und ein enges Band bewahrt hätten.
„Das fühlt sich an wie Familie.“
Infobox: Die von Koschitz beschriebene „Babyfreundschaft“ entstand durch die Verbindung ihrer Familien. Trotz räumlicher Trennung und unterschiedlicher Lebenswege blieb ein tiefes Vertrauen bestehen.
Für einen Urlaub bevorzugt Koschitz eine Begleitung
Im Film verbringt ihre Figur den Urlaub mit einer größeren Gruppe von Freunden. Für sich selbst beschreibt Koschitz ein anderes Urlaubsvorbild: Sie sei eher ein „Zweier-Mensch“ und suche sich für einen Urlaub meistens nur eine Person aus.
Die Zusammenarbeit in einem Ensemble von „Nix ist fix“ erlebte sie dennoch als besonders. Während sich Schauspielerinnen und Schauspieler bei vielen Drehs in den Pausen in einzelne Kabinen zurückzögen und nicht ständig miteinander zu tun hätten, gab es bei diesem Film in einem Haus nur einen großen Rückzugsraum für alle.
Das sei meistens sehr lustig gewesen, gelegentlich habe man sich aber auch gegenseitig genervt. Vor allem die Arbeit mit guten Kolleginnen und Kollegen habe sie als Geschenk empfunden, weil alle gemeinsam versucht hätten, das Beste aus einer Szene herauszuholen.
Infobox: Privat bevorzugt Julia Koschitz eine Reise mit nur einer weiteren Person. Die enge Zusammenarbeit im Ensemble von „Nix ist fix“ beschreibt sie trotz gelegentlicher Reibungen als lustvoll und bereichernd.
Wenige Besitztümer, aber ein hoher persönlicher Wert
Beim Thema Besitz erklärt Koschitz, sie sei nicht die „Superaltruistin“, die alles teile. Zugleich gebe es nur wenige Dinge, die ihr wirklich wichtig seien oder die sie tatsächlich brauche. Gerade diese wenigen Gegenstände hätten für sie einen großen Wert.
Besitz empfinde sie eher als belastend und versuche deshalb, sich regelmäßig zu reduzieren. Auf die Frage, welche Dinge in einen einzigen Koffer müssten, nennt sie zunächst ihr Fahrrad.
Zusätzlich würde sie Eine Packung Ohropax, einen Block Papier, einen Stift zum Schreiben, ein gutes Buch und eine Lesebrille einpacken. Das Fahrrad selbst müsse dabei nicht in den Koffer, sondern komme auf das Fahrrad, wie Koschitz im Gespräch erklärt.
- Fahrrad
- Eine Packung Ohropax
- Ein Block Papier
- Ein Stift zum Schreiben
- Ein gutes Buch
- Eine Lesebrille
Infobox: Koschitz beschreibt Besitz als eher belastend und möchte sich regelmäßig reduzieren. Zu ihren wichtigsten Reisegegenständen zählen Ohropax, Schreibutensilien, ein gutes Buch und eine Lesebrille; ihr Fahrrad nimmt sie ebenfalls mit.
Mit dem Fahrrad in die Natur
Die Natur habe für Koschitz mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewonnen. Sie brauche sie, um herunterzukommen. Wenn sie das Gefühl habe, dass ihr Schreibtisch sie „anschreit“, setze sie sich auf das Fahrrad, gehe lange spazieren oder fahre mit dem Zug in die Berge.
Bewegung in der Natur helfe ihr durch die Stille und die Gerüche. Damit beschreibt die Schauspielerin die Natur als Gegenpol zu ihrem Arbeitsalltag und als Möglichkeit, Abstand vom Schreibtisch und den beruflichen Anforderungen zu gewinnen.
„Je älter ich werde, desto mehr brauche ich das, um runterzukommen.“
Infobox: Fahrradfahren, Spaziergänge und Ausflüge in die Berge gehören für Julia Koschitz zu den Wegen, mit denen sie Abstand gewinnt. Stille und Gerüche der Natur helfen ihr nach eigenen Angaben beim Abschalten.
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